Von S.u.S.E. 4.2 zu OpenSuSE Leap 42.1

oder, der unglaubliche Werdegang einer Spitzensoftware

Was waren das für Zeiten, als man alle paar Wochen die Betriebssystemsoftware neu installieren musste, weil diese "Bananenversion" von Windows95© mal wieder wegen einer Programminstallation oder -deinstallation nicht mehr richtig lief?
Ich hatte nach ein paar Monaten genug davon und habe mich nach Ersatz umgesehen. Zuerst bekam das neue OS2/Warp© von IBM eine Chance, wurde später aber verworfen, weil es einfach zu wenig Software für dieses schöne und relativ stabile BTS gab.

Details bzw. erklärender Versuch zur Namensgebung OS2/Warp©

Zufall oder Absicht. Das BTS OS2© bekam den Anhang "Warp" möglicher Weise deswegen, weil sich die SPU des damaligen Top-Hersteller Creativ Labs, der Soundblaster, beim Hochfahren mit "WARP, WARP, WARP" meldete. Die Karte wurde vom BTS beim Installieren auf dem falschen Interrupt angemeldet. Der Startsound wurde damit abgewürgt und produzierte so dieses sich wiederholende Geräusch.

Es musste doch irgendwas auf dem Markt geben, was stabil lief und nicht alle Nase lang nach einer Neuinstallation schrie, als ich durch Zufall auf eine Werbung für das freie Linux stieß. Das kam mir wie eine Offenbarung vor, da es auf diversen CD daherkam und eigentlich mit allem ausgestattet war, was man unter Windows zusätzlich erwerben oder sich in betrügerischer Weise auf den Rechner holen musste. Und da es sogar eine deutsche Firma gab, die sich aus der Masse der Distributoren abhob, wollte ich damit mein Glück probieren und hab zur S.u.S.E. 4.2 gegriffen.

Was für ein Glücksgriff. Für den User brachen endlich wieder angenehme und und vor allem konstruktive Zeiten an.
Wer nicht mit seinem Rechner spielen wollte, war hier wirklich gut aufgehoben. Stabilität, Sicherheit und Funktionsumfang der S.u.S.E.-Distribution ließen eigentlich keine Wünsche offen.
Das änderte sich - zu meinem wirklich großen Bedauern - allerdings schon 2003, als S.u.S.E. an Novell© verkauft wurde. Novell© fehlte damals ein eigenes BTS, um Ihre Software endlich von DOS lösen zu können, da stets eine von DOS angelegte Partition benötigt wurde, um Novell-NetWare© installieren zu können. Und wer will schon gern von Microsoft© abhängig sein bzw. bleiben.

Mit der ersten Zusammenstellung aus der Novell©-Schmiede, der Version 9.1, fingen die Probleme dann leider wieder an.
Eigentlich hatte ich mich auch nach einem anderen Betriebssystemen umgesehen, weil Windows© zunehmend von Viren befallen wurde. Und was machte der neue Besitzer als erstes? Es band die Windowspartitionen direkt ins System ein.
Für mich damals ein Grund, mich über das Produkt zu beschweren. Geändert hat sich daran allerdings erst wesentlich später etwas. In der Version 12.1 wurde die NTFS-Partionen immer noch direkt eingebunden. Heute, bzw. mit der Version Leap 42.1, als Nachfolger der 13.2, ist wenigstens das nach 12 Jahren abgestellt worden.

Nun muss man Novell© aber wenigstens zu Gute halten, dass sie mit OpenSuSE immer noch etwas für die treue Gemeinde machen. Allerdings kann man bei dieser Softwaresammlung nicht mehr sagen, sie sei ein guter Ersatz für die Menschen, die vorhaben von Windows nach Linux zu wechseln. Wer es dennnoch vorhaben sollte, den möchte ich hier zumindest auf die Fehler aufmerksam machen, mit denen ich nun über Tage zu kämpfen hatte.

Sie sollten evt. direkt darauf verzichten ein Update von 12.1 auf 13.2 machen zu wollen. Das dürfte ähnlich in die Hose gehen, wie bei mir.
Ich kann abschließend noch nicht einmal sagen, woran es genau gelegten hat, dass sich X11 und damit die grafische Oberfläche nicht starten ließ. Vermutlich irgendwo an X11 und dem Update selbst. Die nachträgliche Installation eines aktuellen NVidia-Treibers brachte jedenfalls auch nicht den gewünschten Erfolg. Schön, wenn man zu diesem Zeitpunkt schon ein aktuelles Backup zur Verfügung hat, denn ohne grafische Oberfläche ist es für den einfachen User fast unmöglich sich jetzt noch eines zu machen.

Das im Januar 2016 gezogene Image zur Leap 42.1 möchte gern die Installation bei aktiviertem Internetzugang machen, was sich bei meiner Installation als Fehlgriff erwiesen hat. Man hat danach zwar ein aktualisiertes System auf dem Rechner, aber deswegen muss es nicht unbedingt sauber laufen. Bei mir ergab sich das Problem, dass sich die Software nicht mehr updaten bzw. weitere installieren ließ, weil das entsprechende Update-Programm blockierte, obwohl es sich - laut config Datei - nach 15 Sekunden ausschalten und den Port wieder frei geben sollte.

Damit kam es zum dritten Installationsversuch. Diesmal ohne direkten Internetzugriff, was dann auch erfreulich glatt verlief.
Nach der Installation ließ sich die Netzwerkarte anstandslos einbinden. Sofort wurden etwa 140 Dateien erneuert und es war auch möglich weitere Software zu installieren. Schön, wenn man nach 8 Stunden endlich einen kleinen Erfolg zu vermelden hat.

Ein weiteres Problem ergab sich mit der Installation des LAMP-Paketes. Der Apache-Server wollte nicht anfahren. Schuld hieran trug wohl eine ältere config-Datei zur Nagios-Software, deren Befehlssyntax nicht konform zur installierten Apache-Version 2.4 war. Wer Nagios nicht braucht, deinstalliert es am besten wieder, denn ein Umschreiben der config-Datei - wie empfohlen - brachte bei mir auch nicht den gewünschten Erfolg. Alternativ kann man sich Nagios auch vom Hersteller holen und nachinstallieren. Das soll funktionieren.

Die wohl heftigsten Probleme betreffen die Arbeit mit der KDE-Oberfläche.
Aber zuerst etwas positives. Der Plasma5 Desktop präsentiert sich aufgeräumt - außer Papierkorb und Dolphin war nichts im Arbeitsflächenordner angelegt. Vom Look her erinnert er stark an WindowsXP©. Das hat Charme und gefällt.
Wenn Sie es jedoch gewohnt waren im Arbeitsflächenordner Ihre Links anzulegen, um so schnell an ihre geliebten Programme zu kommen, dann stellen Sie evt. fest, dass man zwar das Menü dazu über die Rechte Maustaste bekommt, aber keinerlei Datei angelegt werden kann.
Im Netz konnte man dazu lesen, dass die nötigen Dateien wohl vorhanden, aber nicht am richtigen Platz sind, da Plasma 5 diese im Verzeichnis /usr/share/templates erwartet, aber die gepackte Version nur dann arbeitet, wenn die dortigen Dateien nach /usr/share/kde4/templates/ kopiert werden.
Das wohl größte Manko: Die einst so stabile KDE-Oberfläche, in ihrer Version Plasma 5, verrichtet ihren Dienst nicht sehr verlässlich. Verlässlich sind allenfalls die Fehlermeldungen, mit denen einige KDE-Programmteile stehen blieben, wobei zu den verlässlichsten Aussteigern die KDE-Konsole zählt. Umso verwunderlicher ist allerdings ihre finale Vitalität, denn nach Schließen des Fensters, im dem sie gerade lief, startet sie von sich aus einfach nochmal und treibt dabei einen der Prozessorkerne auf 100% Leistung. Im Winter ein ganz nettes Feature. Man kann sich die kalten Hände wärmen und die Heizung dafür runter drehen. Ich meine aber, man sollte das Programm dann zumindest umbenennen und würde hier NVidia-Heater vorschlagen, denn interessanter Weise scheint - nach viel Lektüre im Netz - nicht der Code der Konsole selbst Schuld am Verhalten zu tragen, sondern der Grafiktreiber von NVidia©. Zumindest wird das so im Internet kolportiert.
Abhilfe soll hier der neueste Treiber der Grafikkartenschmiede mit der Versionsnummer 361.28 bringen, der aber bis dato nicht für OpenSuSE freigegeben ist. Außerdem wäre der Treiber mit zusätzlichen Parametern zu installieren, um die neuen GLVND-Spezifikationen nutzen zu können, die die Konsole angeblich wieder richtig arbeiten lassen.
Wer 3D-Beschleunigung nicht braucht, lässt evt. erst mal die Finger von dem proprietären Treiber und begnügt sich mit dem von Nouveau. Oder er installiert den Treiber per Hand mit den nötigen Parametern, muss dann aber natürlich nach einem Kernelupdate auch auf die automatische Anpassung des Grafikttreibers verzichten und den Treiber wieder selbst mit dem Kernel verbinden.

Fazit: Die Leap 42.1 von OpenSuSE ist nicht besonders gut gepackt. Sie bereitet daher größere Probleme bei der Installation, ist aber nach wie vor ein guter Griff für denjenigen, der viel Zeit und Geduld mitbringt, um ein laufendes System daraus zu machen.

Autor:
Michael Kleinwächter
Burgstr. 126
53177 Bonn-Bad Godesberg